PMDS und Nervensystem: Vielleicht kennst Du das?
Wieder fällt es ihr morgens schwer aufzustehen. Ein paar Stunden später flippt sie aus. Sie schreit ihren Mann an, dass sie sich jetzt trennen werde.
Danach bricht alles über ihr zusammen. Wieder ist es ihr passiert. Wieder hat sie die Kontrolle verloren.
Der weibliche Zyklus besteht aus zwei Hauptphasen: der Follikelphase, vom Beginn der Periode bis zum Eisprung, und der Lutealphase, vom Eisprung bis zum Beginn der nächsten Periode. Beide Phasen können sich anfühlen wie helle und dunkle Schokolade — fast wie zwei verschiedene Versionen von dir selbst.
Jede Phase hat eine Aufgabe. Die Follikelphase dient dem Aufbau und Entwicklung einer Eizelle und in der zweiten Phase geht es darum, diese (eventuell befruchtete) Eizelle zu schützen.
In der ersten Phase steigt der Östrogenspiegel, der Serotoninspiegel zieht mit, die Stimmung fühlt sich leichter an. In der zweiten Hälfte fällt der Östrogenspiegel wieder ab, und die Stimmung fällt oft mit.
Gleichzeitig dominiert Progesteron, das im Körper zu Allopregnanolon abgebaut wird. Allopregnanolon wirkt normalerweise auf den Neurotransmitter GABA, indem es dessen hemmende Wirkung verstärkt — und GABA ist im Grunde wie eine Türsteherin fürs Nervensystem: Sie sorgt dafür, dass nicht jeder Reiz ungebremst durchkommt, und macht so Entspannung möglich. Steigt Allopregnanolon an, wird die Türsteherin also normalerweise noch wachsamer und beruhigender zugleich.
Bei Frauen mit PMDS kippt genau dieser Mechanismus: Die Türsteherin reagiert auf den gleichen Anstieg von Allopregnanolon nicht mehr beruhigend, sondern schlägt Alarm. Reize, Emotionen, Stress — alles kommt ungefiltert und verstärkt durch. Was bei anderen Entspannung auslöst, löst bei dir das Gegenteil aus: Überempfindlichkeit, Reizbarkeit, manchmal auch Wut, die sich unkontrollierbar anfühlt.
Was bedeutet das für dich? Auch wenn es sich gerade ohnmächtig und hilflos anfühlt: Weil dieser Mechanismus neurobiologisch erklärbar ist, ist er auch veränderbar, auch wenn es dauert. Das nennt man Neuroplastizität.
Denn auf einzelne Faktoren kannst du Einfluss nehmen, dazu mehr im nächsten Artikel.
Was du heute schon tun kannst: Beobachte deinen Zyklus. Was passiert wann in deinem Alltag? Wie gut schläfst du? Wie stark ist deine Blutung? All das hilft dir, Muster zu erkennen — und genau das ist der erste wichtige Schritt.
Studien gehen davon aus, dass etwa 3–8%* der menstruierenden Frauen von PMDS betroffen sind — in Deutschland wären das schätzungsweise eine Million Frauen.
* Quelle Lambert, Nolan & Schmalenberger (2026) im British Journal of Clinical Psychology
Bild: https://unsplash.com/de/fotos/eine-nahaufnahme-eines-flussigkeitswirbels-T8yALvuG-Po?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditShareLink